Franz Hofer, der Gauleiter Tirols
Franz Hofer: Der Gauleiter Tirols
Mit dem Nationalsozialismus wurden viele politische Stellen und Posten im öffentlichen Dienst neu vergeben. Der Führerkult und die Ideen der nationalsozialistischen Partei wurden auf allen Ebenen strukturell einzementiert. Innsbrucks Bürgermeister Franz Fischer wurde mit der Machtübernahme durch Egon Denz ersetzt. Edmund Christoph löste Landeshauptmann Josef Schumacher (1894 – 1971) ebenfalls über Nacht ab, bevor im Mai 1938 Franz Hofer (1902 – 1975) den Platz als Gauleiter, ab 1940 Reichsstatthalter einnahm. Der junge, ambitionierte Aufsteiger kann stellvertretend für viele stehen, die im Nationalsozialismus Karriere machten. Hofer wurde im salzburgerischen Bad Hofgastein geboren. Sein Vater, selbst strammer Deutschnationaler, kam 1909 nach Innsbruck, um den Gasthof Breinößl zu übernehmen. Hofer absolvierte seine Schulzeit in Innsbruck, bevor er ein Geschäft für Radios betrieb. Bereits 1931 wurde er Mitglied der NSDAP in Österreich. Nach kurzer Zeit stieg er zum Gauleiter auf, ein Titel, der ihm vorerst mehr Probleme als Meriten bringen sollte. Hofer kam nach dem Verbot der Partei in Österreich in Haft, wurde aber von Mitgliedern der SA befreit. Auf der Flucht nach Italien wurde er angeschossen. Anschließend reiste er ins Altreich, wo er deutscher Staatsbürger wurde und innerhalb der Partei eine steile Karriere hinlegt. Nach dem Anschluss Österreichs wurde der treue Hofer auf Geheiß Hitlers am 24. Mai 1938 zum Gauleiter Tirol und Vorarlberg, zwei Jahre später zum Reichsstatthalter von Tirol-Vorarlberg ernannt. Seine Pläne waren ebenso ambitioniert wie die Titulierung, war Tirol doch ein guter Nährboden für den Nationalsozialismus. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl gab es in den ostmärkischen Gauen nirgends mehr Parteimitglieder als hier. Dem Ziel, den ersten vollkommen judenfreien Gau zu haben, war Hofer schon 1939 recht nahe. Ein Jahr später war nur noch ein Jude in Tirol gemeldet. Zudem bereichert sich Hofer großzügig auch persönlich an arisiertem Vermögen. So kam die Villa Schindler des Betreibers des Cafe Schindler am Rennweg 10 in seinen Besitz, ebenso der Lachhof in Kleinvolderberg nahe Innsbruck, wo er sich eine Art Kommandozentrale außerhalb der Stadt einrichtete. Auch gegen kirchliche Organisationen ging der Antikatholik Hofer, dem die Wiltener Sängerknaben ebenso ein Dorn im Fleisch waren wie die in Innsbruck allgegenwärtigen Mariendarstellungen, hart vor. Sozialistische und kommunistische Vereine spielten in der Tiroler Gesellschaft keine Rolle, vor ihnen musste man sich weniger in Acht nehmen als vor störrischen Katholiken. Alle Orden wurden geschlossen und die katholischen Jugendgruppen und Vereine dem nationalsozialistischen System angeschlossen. 119 von 570 Priestern wurden zwischen 1938 und 1945 mindestens einmal in Gewahrsam genommen, elf wurden hingerichtet oder überlebten die Haftbedingungen nicht. Als Italien 1943 endgültig unter die Kontrolle Deutschlands kam, stand für Hofer der nächste Karriereschritt an. Er wurde zum Obersten Kommissar der Operationszone Alpenvorland ernannt. Diese Zone bestand aus Tirol-Vorarlberg und den oberitalienischen Provinzen. Es war auch Franz Hofer, der die Idee zur sogenannten Alpenfestung, der letzten Bastion des deutschen Volkes gegen den Feind, hatte. Noch am 12. April 1945, weniger als einen Monat vor Kriegsende, unterbreitete er diesen Vorschlag persönlich Adolf Hitler, der ihn daraufhin zum Reichsverteidigungskommissar der Alpenfestung machte.
Als alle Stricke rissen und die letzten Träume vom alpinen Widerstand platzten, zeigte sich Hofer erstaunlich situationselastisch. Nach Verhandlungen mit den heranrückenden alliierten Streitkräften wurde Innsbruck am 3. Mai 1945 kampflos als offene Stadt übergeben und somit von verheerenden Kämpfen zum Kriegsende verschont. Wenige Tage zuvor präsentierte er sich zumindest vordergründig noch als überzeugter Nationalsozialist, wie seine Rede im Radio vom 30.4. zeigt:
„Sollte aber der Feind trotz heldenhaften Kampfes doch einmal vor den Toren Innsbrucks stehen, würde eine Verteidigung der Gauhauptstadt unter den gegebenen Verhältnissen keinesfalls das Ärgste ersparen, sondern vielmehr das Letzte vernichten…. Umso zäher aber wollen wir uns in unserer Berge krallen…“
Hofer wurde wenige Tage später festgenommen. Im Oktober 1948 konnte er aus dem Internierungslager Dachau entkommen und nach Deutschland flüchten, wo er in Mühlheim an der Ruhr unter falschem Namen untertauchte. Es ist nicht gesichert, aber durchaus möglich, dass amerikanische und britische Geheimdienste dem einstigen Widersacher bei der Flucht behilflich waren, um ihre Methoden gegen den Nationalsozialismus auf Tiroler Boden, die nun im Einsatz gegen die Sowjetunion waren, damit schützen wollten, wären diese bei einer Verhandlung wohl offen zur Sprache gekommen. Ein Gericht in München verurteilte ihn 1949 in Abwesenheit zu 10 Jahren Haft. Im Juli 1953 wurde dieser Richtspruch in München bestätigt, allerdings die Haft auf drei Jahre Dauer herabgesetzt. Durch Anrechnung der bisherigen Haftzeiten blieb Hofer allerdings auf freiem Fuße. Ein Gericht in Österreich verurteilte ihn 1949 zum Tode. Eine Strafverfolgung fand allerdings nicht statt. Zu seinen Fürsprechern zählten unter anderem der Brixner Bischof Johannes Baptist Geisler und der Tiroler Landeshauptmann Alfons Weißgatterer. In einem Verfahren in Innsbruck wurde 1950 sein Vermögen von der Republik Österreich eingezogen. Ab 1954 lebte Hofer unter seinem echten Namen in Deutschland. Er führte die Ruhr Armatur GmbH, ein Unternehmen für Sanitärbedarf. Seine Beteiligung an der Aktion T4 in Tirol, der „Vernichtung lebensunwerten Lebens“, wurde zwar vor Gericht als Verfahren eingeleitet, das Verfahren jedoch 1963 eingestellt. Das Land Tirol blieb dem ehemaligen Gauleiter im wahrsten Sinne trotz seiner Emigration treu bis in den Tod. Hofer war immer ein Liebhaber Tiroler Tradition gewesen. Als Gauleiter hatte er volkstümliche Musik, Trachtenwesen und die Tiroler Schützen gefördert. Diese Vereine wurden zwar offiziell 1938 aufgelöst, unter ihm aber in den Standschützenverband überführt. Der Leiter der Stadtmusikkapelle Wilten-Innsbruck, Sepp Tanzer, den er zum Leiter des Referats Volksmusik in der Reichsmusikkammer machte, komponierte für ihn den Standschützenmarsch. Bei Hofers Beisetzung 30 Jahre nach Kriegsende in Mühlhausen war eine Abordnung der Tiroler Schützen anwesend, um Hofer die letzte Ehre zu erweisen. Das Tiroler Landhaus, das bis heute Sitz der Tiroler Landesregierung ist, wurde unter Hofer errichtet und ist bis heute Stein gewordene Erinnerung an den Gauleiter Tirols.
Sehenswürdigkeiten dazu…
Kaufhaus Tyrol
Maria-Theresienstraße 31
Landhausplatz & Tiroler Landhaus
Eduard-Wallnöfer-Platz
