St. Nikolaus, Mariahilf, Hötting und Mühlau
Wissenswertes zu St. Nikolaus & Mariahilf
Wenn man so will, nahm Innsbruck im 12. Jahrhundert seinen Anfang bei den bunten Häusern am nördlichen Innufer. 1133 tauchte ein Markt namens Innspruke oder Ynbruggen erstmals in Urkunden auf. Die Siedlung entstand entlang des Verkehrsweges bei der Innbrücke. Als die Stadt über den Fluss expandierte, etablierte sich für die alten Teile am Nordufer der Name Anpruggen. Der heutige Stadtteil Mariahilf westlich der Innbrücke war bis zur Fertigstellung der Pfarrkirche im 17. Jahrhundert als Obere Anpruggen bekannt, die heutige Mariahilfstraße trug bis 1837 den Namen Obere Innbrückenstraße. Von der Stadt durch den Fluss getrennt, entwickelte sich am Südufer ein eigener Mikrokosmos, der sich sowohl vom Nordufer wie auch vom darüberliegenden Hötting unterschied. Anders als in der von Händlern, Beamten, Bankiers und Angehörigen des Hofstaats geprägten Stadt oder den bäuerlichen Dörfern der Umgebung siedelten sich in Anpruggen Fuhrwerker, Flößer, Arbeiter, Wagner, Schmiede und Gastwirte an, um den Durchzugsverkehr zu servicieren und finanziell zu nutzen. Im Westen ging Anpruggen in die Höttinger Au über, ein Schwemmgebiet, das von den Bauern als Allmende genutzt wurde. Wo heute die Türme des Mariahilfparks in den Himmel ragen, entstanden im Wachstum des 19. Jahrhunderts die typischen Mietzinshäuser für Angestellte und Arbeiter. Anders als in Wilten und im Saggen mussten die meisten davon in den 1970er Jahren dem modernen Wohnbau Platz machen. Abseits der bunten Häuser der Mariahilfzeile und der Pfarrkirche dominieren große Wohnanlagen den relativ jungen Stadtteil.
Die Siedlung östlich der Innbrücke, das heutige St. Nikolaus, war die Untere Anpruggen. Die St.-Nikolaus-Gasse war der Hauptverkehrsweg vom Osten zur Innbrücke. In St. Nikolaus war all das ansässig, was man in der Stadt nicht haben wollte, für deren Funktionieren aber notwendig war wie die liebevoll Köpflplatz genannte Hinrichtungsstätte, ein Armenhaus und später das Zuchthaus. Wo heute Besucher Richtung Alpenzoo flanieren, befand sich der jüdische Friedhof. Innsbruck lud nicht nur den institutionellen Ballast, sondern auch seinen alltäglichen urbanen Unrat in St. Nikolaus ab. Die Metzger der Fleischbank an der Innbrücke warfen die Überbleibsel ihrer Arbeit in den Fluss, der sie Richtung Osten schwänzte. In Kombination mit dem Inhalt der Innsbrucker Nachttöpfe schwappte bei Hochwasser eine besonders exklusive Mischung über, was den Bewohnern den bis heute gebräuchlichen Spitznamen Koatlackler eintrug. Das 19. Jahrhundert brachte nicht nur Industriebetriebe und Mietzinshäuser, sondern auch eine Modernisierung in das Arbeiterviertel Innsbrucks. In den 1870er Jahren wurde die letzte Floßanlegestelle in St. Nikolaus liquidiert. Stattdessen wurde im Zuge der Flussverbauung der Innpark, der heutige Waltherpark als innerstädtische Grünanlage angelegt. Erneut landete so einiges dort, was man sonst nirgends so richtig anbringen konnte, was bis heute in einem bemerkenswerten Sammelsurium endet. Das älteste Denkmal ist der Joachimsbrunnen, der über mehrere Zwischenstopps von der Altstadt nach St. Nikolaus wanderte. 1877 wurde eine pompöse Statue des mythischen deutsch-tirolischen Minnesängers Walther von der Vogelweide installiert, um die Zuneigung der Stadt zum Germanentum zu manifestieren. Im Jahr darauf folgte die Geographensäule, ein dekorativer Obelisk, der über vieles und nichts Auskunft gibt. Ein weiteres Denkmal aus dem Jahr 1905 erinnert an den Gründer der Freiwilligen Feuerwehr und des organisierten Tiroler Turnsports Franz Thurner. Seinen heutigen Namen erhielt der Waltherpark 1930. Diesmal sollte weniger das Germanentum, als vielmehr die verlorene Landeseinheit Tirols betont werden, die der deutschsprachige Barde symbolisierte. Östlich vom Park wurde 1875 der Kreuzersteg über den Inn eröffnet. Heute ist die mit Liebesschlössern behangene kleine Fachwerkstahlbrücke vor allem pittoreskes Fotomotiv dank dem Hintergrund mit Nordkette und Kirchturm. Nach dem Wegfall der Floßverbindung über den Inn war sie eine wichtige innerstädtische Verkehrsverbindung für Fußgänger und Radfahrer zwischen Süd- und Nordufer. Trotz dieser neuen Verbindung und Verbürgerlichung konnte sich St. Nikolaus seinen eigenen Charme erhalten und punktet heute als lässiges Stadtviertel mit vielen Lokalen und kleinen Läden.
Wissenswertes zu Hötting
Der große Bruder der Koatlackn einen Stock höher war lange Zeit kein Teil Innsbrucks. Hötting war bis zu seiner Eingemeindung 1938 ein eigenes Dorf. Der Grenzstein aus dem 18. Jahrhundert gegenüber der Riedgasse 49 steht als denkmalgeschütztes Objekt bis heute an seinem Platz. Mit 8000 Einwohnern zählte Hötting im 20. Jahrhundert zu den größten Gemeinden Tirols. Die Allerheiligenhöfe und die Hinrichtungsstätte Galgenbühel markierten das westliche Ende der Gemeinde. Bergbau und große Bauernhöfe waren die Gründe für das Selbstvertrauen, mit dem Höttinger der Stadt Innsbruck entgegentraten. Wirtschaftlich gesehen, war das Dorf der Stadt lange ebenbürtig. Im frühen 16. Jahrhundert gab es in Hötting bereits ein Badhaus. Erst mit der Entwicklung des neuen Stadtteils Saggen und der Eingemeindung von Pradl und Wilten überholte Innsbruck den oft lauten Nachbarn von oben endgültig. Die Höttinger hatten den Ruf wilde Gesellen zu sein. Höttinger Kinder galten für die Innsbrucker Sprösslinge als schlechter Umgang. 1923 stand in der Zeitung zu lesen:
„Kürzlich wurde in der Schneeburggasse einem 14jährigen Buben zwei Pistolen abgenommen, mit denen er sich angeblich mit Spatzenschießen vergnügt hatte. Kurz vorher wurde auf dem Platze der Hund des Handelsmannes Inwinkel angeschossen. Das Geschoß drang dem Tiere in den Kopf. Da auch viele Kinder gerade auf diesem Platze spielten, kann noch von einem Glücke gesprochen werden, daß durch die Schießerei kein größeres Unheil entstand. Der Fall dürfte noch ein gerichtliches Nachspiel haben.“
Anders als in der Stadt mit Angestellten in Handel und Verwaltung, Universitätsprofessoren, Ärzten und Anwälten waren hier schon immer Handwerker, Büchsengießer, Bauern und Arbeiter aus dem Bergwerk unter der Hungerburg oder der Rauchmühle ansässig. Im politisch radikalen und aufgeheizten Klima der Zwischenkriegszeit galt das Dorf oberhalb Innsbrucks als das „Rote Hötting“. Die Höttinger Saalschlacht von 1932, die in Innsbruck legendären Ruf genießt, war dem Ruf des Stadtteils als heißes Pflaster ebenfalls zuträglich. Bis heute konnte sich Hötting eine gewisse Eigenheit bewahren, auch wenn das raue Dorf von damals heute zu den beliebtesten Wohngegenden der Stadt zählt.
Wissenswertes zu Mühlau
Mühlau war bis 1938 eine eigene Gemeinde und für seine historisch gewachsene Industrie bekannt. Name und Bedeutung des Ortes gehen auf die Mühlen zurück, die sich am Mühlbach schon im Mittelalter angesiedelt hatten. Dieser energieliefernde Wasserlauf war es auch, der Mühlau zu einer ersten industriellen Blüte verhalf. 1312 wurde erstmals ein Sagmeister erwähnt. Eine Metallgießerei und eine Plattnerei, in der kunstvolle Prunkharnische hergestellt wurden, siedelten sich im 15. Jahrhundert an, um die europäische Aristokratie mit schmückenden Rüstungen zu versorgen. Für kurze Zeit hatte sogar die Landesfürstliche Münzprägeanstalt ihren Sitz in Mühlau. Im Ansitz Grabenstein wurden mittels der modernen Walzprägemaschine zwischen 1567 und 1571 die offiziellen Zahlungsmittel aus Schwazer Silber hergestellt. In der zweiten Welle der Industrialisierung im 19. Jahrhundert entstanden am Mühlbach die Rauchmühle samt Elektrizitätswerk, eine Zuckerfabrik, eine Papierfabrik und die Textilfabriken Weyrers und Baurs, die der Gemeinde ihren Stempel aufdrückten. Am Dorfplatz Mühlau erinnern der Dorfbrunnen mit dem Mühlrad und ein sehenswertes Relief von Johannes Obleitner an die Verbindung des bäuerlichen und industriellen Lebens. In der Holzgasse 10 kann man das alte Elektrizitätswerk der Gemeinde Mühlau bewundern. Für einige Zeit war Mühlau auch Standort einer Kuranstalt. Wenige Meter von der Textilfabrik entfernt gab es mit dem Badehaus Mühlau ein frühes Wellnesshotel. Innsbruck war mittlerweile gut an das Bahnnetz angebunden und leicht für Gäste erreichbar. Die Nähe zur Stadt ermöglichte nicht ausschließlich an der Gesundheit interessierten Reisenden, anders als in abgelegenen Bergdörfern wie Davos, ein wenig urbane Zerstreuung zwischen den Anwendungen, wie im Magazin Der Alpenfreund 1870 zu lesen war:
„Ist der Alpenfreund aber mit Familie gesegnet, so brauchen ihn weder Rücksichten auf die allfälligen nervösen Zustände und Anfälle der lieben Ehefrau noch auf die skrophulösen Leiden eines aus den Kindern abzuhalten, alle Sorgen und Kümmernisse und Beschwerden des Geschäftslebens auf dem naheliegenden Gebirge auszuatmen. Er nehme nur seine Lieben mit nach Mühlau, überlasse die Heilung getrost der Obsorge des Besitzers erwähnten Etablissements, Dr. Schlechter, der mit Kaltwasserkur, Solebädern, Gymnastik und Elektro-Magnetismus seine Heilzwecke schon zu erreichen wissen wird, und - wandere selbst getrost dem Himmel entgegen auf die Berge.“
Das Badehaus Mühlau in der Anton-Rauch-Straße 30 ist heute ein sehenswertes Wohnhaus, das architektonisch im Stil des 19. Jahrhunderts erhalten blieb. Das 20. Jahrhundert brachte dem Dorf nicht nur den Verlust der Eigenständigkeit, auch Tourismus und Industrie begannen abzuwandern. Der westliche Teil Mühlaus entlang der Holzgasse und des Richardswegs beheimatet bis heute einige der schönsten Bauernhäuser und Villen Innsbrucks. Erhaben über der Stadt ließ sich der Kleinadel eine Reihe von Ansitzen errichten, die später vom Großbürgertum gerne übernommen wurde. Das vielleicht schönste Beispiel dafür ist der 1904 renovierte Ansitz Sonnenheim am Richardsweg. Die markante Villa im Tiroler Heimatstil ähnelt dank des Turmes noch immer einer Burg. Die Fassaden zeigen Malereien des bekannten Pradler Malers Raphael Thaler. Heute ist Mühlau dank seiner sonnigen Lage am Stadtrand ein beliebtes Wohnviertel.
Mariahilfpark
Mariahilfpark 1 – 4
Alte & Neue Pfarrkirche Hötting / Pestfriedhof
Schulgasse / Schneeburggasse
Hungerburg
Hoch-Innsbruck
Voliere & Pavillon Villa Blanka
Weiherburggasse 31
Pfarre Mariahilf
Dr.-Sigismund-Epp-Weg
Theresienkirche
Gramartstraße 4
Weiherburg & Alpenzoo
Weiherburggasse 37-39
Turnusvereinshaus
Innstraße 2
Schloss Büchsenhausen
Weiherburggasse 3-13
Kirche & Friedhof St. Nikolaus
Schmelzergasse 1
Gasthaus Elephant & Gasthof zur Eiche
Innstraße 85 / 87
Arbeiterwohnhaus & Weyrerareal
Ferdinand-Weyrer-Straße
Innbrücke
Innstraße 5 / Innrain 1
Mariahilfzeile & Marktplatz
Mariahilfstraße / Marktplatz













