Der Erste Weltkrieg und die Zeit danach

Der Erste Weltkrieg

Beinahe hätte nicht Gavrilo Princip, sondern ein Innsbrucker Student die Geschicke der Welt verändert. Der junge Mann prahlte 1913 vor einer Kellnerin mit seinen Plänen, den Thronfolger zu erschießen, wurde aber festgenommen vor er sie in die Tat umsetzen konnte. Erst als es ein Jahr später tatsächlich zu den die Welt verändernden Schüssen in Sarajevo kam, erschien am 30. Juni ein Artikel in den Innsbrucker Nachrichten über die Ereignisse. Welche Auswirkungen der daraufhin ausgebrochene Erste Weltkrieg auf die Welt und den Alltag der Menschen haben sollte, war nach dem Attentat auf Franz Ferdinand am 28. Juni nicht absehbar. Zwei Tage nach der Ermordung des Habsburgers in Sarajewo lasen Innsbrucker in der Zeitung aber bereits prophetisches: „Wir sind an einem Wendepunkte – vielleicht an dem Wendepunkte“ – der Geschicke dieses Reiches angelangt“. Auch in Innsbruck war die Begeisterung für den Krieg 1914 groß. Vom Wahlspruch der Zeit „Gott, Kaiser und Vaterland“ angetrieben, begrüßten die Menschen den Angriff auf Serbien zum allergrößten Teil einhellig. Politiker, Klerus und Presse heizten den allgemeinen Jubel an. Besonders „verdient“ machten sich bei der Kriegstreiberei die beiden Theologen Joseph Seeber (1856 – 1919) und Anton Müllner alias Bruder Willram (1870 – 1919), die mit ihren Predigten und Schriften wie „Das blutige Jahr“ den Krieg zu einem Kreuzzug gegen Frankreich und Italien erhoben. Neben dem kaiserlichen Appell „An meine Völker“, der in allen Medien des Reiches erschien, druckten die Innsbrucker Nachrichten am 29. Juli, dem Tag nach der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien, einen Artikel rund um die Einnahme Belgrads durch Prinz Eugen im Jahr 1717. Der Ton in den Medien war feierlich, wenn auch nicht ganz ohne böse Vorahnung auf das, was kommen sollte.

„Der Appell des Kaisers an seine Völker wird tief ergreifen. Der innere Hader ist verstummt und die Spekulationen unserer Feinde aus Unruhen und ähnliche Dinge sind jämmerlich zu Schanden geworden. In alter und vielbewährter Treue stehen vor allem auch diesmal die Deutschen zu Kaiser und Reich: auch diesmal bereit, mit ihrem Blute für Dynastie und Vaterland einzustehen. Wir gehen schweren Tagen entgegen; niemand kann auch nur ahnen, was uns das Schicksal bescheiden wird, was es Europa, was es der Welt bescheiden wird. Wir können nur mit unserem alten Kaiser auf unsere Kraft und auf Gott vertrauen und die Zuversicht hegen, daß, wenn wir einig find und zusammenhalten, uns der Sieg beschieden sein muß, denn wir wollten den Krieg nicht und unsere Sache ist die der Gerechtigkeit!“

Viele Innsbrucker meldeten sich freiwillig für den Feldzug gegen Serbien, von dem man dachte, er wäre eine Angelegenheit weniger Wochen oder Monate. Von außerhalb der Stadt kam eine so große Anzahl an Freiwilligen zu den Stellungskommissionen, dass Innsbruck beinahe aus allen Nähten platzte. Wie anders es kommen sollte, konnte keiner ahnen. Schon nach den ersten Schlachten im fernen Galizien war klar, dass es keine Sache von Monaten werden würde. Kaiserjäger und andere Tiroler Truppen wurden regelrecht verheizt. Schlechte Ausrüstung, mangelnder Nachschub und die katastrophale des Oberkommandos unter Konrad von Hötzendorf brachten Tausenden den Tod oder in Kriegsgefangenschaft, wo Hunger, Misshandlung und Zwangsarbeit warteten. 1915 trat 0 Italien an der Seite Frankreichs und Englands in den Krieg ein. Im berühmt-berüchtigten Geheimvertrag von London wurden dem jungen Königreich für die Unterstützung im Kampf gegen die Mittelmächte Deutschland und Österreich von Seiten der Entente großzügige Gebietsgewinne versprochen. Am 23. Mai erklärte der ehemalige Verbündete dem Habsburgerreich den Krieg. Bis zur Verlegung der regulären Truppen von der Ostfront hing die Landesverteidigung an den Standschützen, einer Truppe, die aus Männern unter 21, über 42 oder mit Untauglichkeitsattest für den regulären Militärdienst bestand. Die Opferzahlen waren dementsprechend hoch. Vom Ortler im Westen über den nördlichen Gardasee bis zu den Sextener Dolomiten fanden die Gefechte des Gebirgskriegs statt. Innsbruck war nicht direkt von den Kampfhandlungen betroffen. Zumindest hören konnte man das Kriegsgeschehen aber bis in die Landeshauptstadt, wie in der Zeitung vom 7. Juli 1915 zu lesen war:

„Bald nach Beginn der Feindseligkeiten der Italiener konnte man in der Gegend der Serlesspitze deutlich Kanonendonner wahrnehmen, der von einem der Kampfplätze im Süden Tirols kam, wahrscheinlich von der Vielgereuter Hochebene. In den letzten Tagen ist nun in Innsbruck selbst und im Nordosten der Stadt unzweifelhaft der Schall von Geschützdonner festgestellt worden, einzelne starke Schläge, die dumpf, nicht rollend und tönend über den Brenner herüberklangen. Eine Täuschung ist ausgeschlossen. In Innsbruck selbst ist der Donner der Kanonen schwerer festzustellen, weil hier der Lärm zu groß ist, es wurde aber doch einmal abends ungefähr um 9 Uhr, als einigermaßen Ruhe herrschte, dieser unzweifelhafte von unseren Mörsern herrührender Donner gehört.“

Die Front war zwar weit von Innsbruck entfernt, der Krieg drang aber auch ins zivile Leben ein. Diese totale Einbeziehung der gesamten Gesellschaft ins Geschehen war ein neues Phänomen. Durch die Massenmobilmachung eines großen Teils der arbeitenden männlichen Bevölkerung kamen viele Betriebe zum vollkommenen Stillstand. Regale in Geschäften blieben leer, der öffentliche Verkehr kam zum Erliegen, Handwerker und Arbeiter waren zum Militärdienst verpflichtet. Unternehmen, die noch produzieren konnten, wurden der Kriegswirtschaft untergeordnet. Im Hungerwinter 1917 war die Innsbrucker Wirtschaft beinahe gänzlich zusammengebrochen. Lebensmittel, Kohle und Brennholz fehlten, Hunger und Kälte wurden in der Stadt zu erbitterten Feinden von Frauen, Kindern, Verwundeten und nicht Kriegstauglichen. Die Versorgung erfolgte in den letzten Kriegsjahren über Bezugsscheine. 500 g Fleisch, 60 g Butter und 2 kg Kartoffel waren die Basiskost pro Person – pro Woche, wohlgemerkt. Auf Archivbildern kann man die langen Schlangen verzweifelter und hungriger Menschen vor den Lebensmittelläden sehen. Immer wieder kam es zu Protesten und Streiks. Politiker, Gewerkschafter, Arbeiter und Kriegsheimkehrer sahen ihre Chance auf Umbruch gekommen. Unter dem Motto Friede, Brot und Wahlrecht vereinten sich unterschiedlichste Parteien im Widerstand gegen den Krieg. Auch das Stadtbild veränderte sich. In der Höttinger Au wurden Baracken zur Unterbringung von Kriegsgefangenen errichtet. Verwundetentransporte brachten eine so große Zahl Verletzter, dass viele eigentlich zivile Gebäude wie die sich gerade im Bau befindliche Universitätsbibliothek oder Schloss Ambras in Militärspitäler umfunktioniert wurden. Ein Vorgänger der Straßenbahnlinie 3 wurde eingerichtet, um die Verwundeten vom Bahnhof ins neue Garnisonsspital, die heutige Conradkaserne in Pradl, bringen zu können. Um der großen Zahl an Gefallenen Herr zu werden, wurde der Militärfriedhof Pradl angelegt.

Mit dem Kriegsende rückte auch die Front näher. Im Februar 1918 schaffte es die italienische Luftwaffe, drei Bomben auf Innsbruck abzuwerfen. In der Neuen Freien Presse wurde erstmals über den Geheimvertrag von London berichtet, was die Nervosität der Tiroler ob der drohenden Gebietsverluste südlich des Brenners anstachelte. Zu dieser Zeit war den meisten Menschen schon klar, dass der Krieg verloren war, und welches Schicksal Tirol erwarten würde, wie dieser Artikel vom 6. Oktober 1918 zeigt:

 „Aeußere und innere Feinde würfeln heute um das Land Andreas Hofers. Der letzte Wurf ist noch grausamer; schändlicher ist noch nie ein freies Land geschachert worden. Das Blut unserer Väter, Söhne und Brüder ist umsonst geflossen, wenn dieser schändliche Plan Wirklichkeit werden soll. Der letzte Wurf ist noch nicht getan. Darum auf Tiroler, zum Tiroler Volkstag in Brixen am 13. Oktober 1918 (nächsten Sonntag). Deutscher Boden muß deutsch bleiben, Tiroler Boden muß tirolisch bleiben. Tiroler entscheidet selbst über Eure Zukunft!

Am 4. November vereinbarten Österreich-Ungarn und das Königreich Italien schließlich einen Waffenstillstand. Das Recht, Gebiete der Monarchie zu besetzen, war ein Teil des Abkommens. Bei den Verbündeten im Deutschen Reich schrillten die Alarmglocken. Bereits am nächsten Tag rückten bayerische Truppen in Innsbruck ein. Deutschland befand sich noch im Krieg mit Italien und hatte Angst, die Front könnte nach Nordtirol und damit näher an das eigene Territorium verlegt werden. Zum großen Glück für Innsbruck und die Umgebung kapitulierte aber auch Deutschland eine Woche später am 11. November. So blieben die großen Kampfhandlungen zwischen regulären Armeen außen vor.

Trotzdem war Innsbruck in Gefahr. Gewaltige Kolonnen an militärischen Kraftfahrzeugen, Züge voller Soldaten und tausende ausgezehrte Soldaten, die sich zu Fuß auf den Heimweg von der Front machten, passierten die Stadt. Wer konnte, sprang auf einen der überfüllten Züge oder auf ein Auto, um die Front hinter sich zu lassen und nach Hause zu kommen. Im November 1918 kamen mehr als 270 Soldaten bei diesen waghalsigen Manövern ums Leben oder mussten in eines der Lazarette der Stadt eingeliefert werden. Die Stadt musste nicht nur die eigenen Bürger in Zaum halten, die Verpflegung garantieren, sondern sich auch vor Plünderungen schützen. Um die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten, bildete der Tiroler Nationalrat am 5. November eine Volkswehr aus Schülern, Studenten, Arbeitern und Bürgern. Am 23. November 1918 besetzten italienische Truppen die Stadt und das Umland. In Tirol waren über 80.000 italienische Soldaten stationiert, etwa 5000 mussten Unterschlupf in der ausgehungerten und elenden Stadt finden. Schulen wurden zu Kasernen. Der beschwichtigende Aufruf an die Innsbrucker von Bürgermeister Greil, die Stadt ohne Aufruhr zu übergeben, hatte Erfolg. Es kam zwar zu vereinzelten Ausschreitungen, Hungerkrawallen und Plünderungen, bewaffnete Auseinandersetzungen mit den Besatzungstruppen oder gar eine bolschewistische Revolution wie in München gab es aber nicht.

Die Bilanz des ersten Weltkriegs war verheerend für die Innsbrucker Bevölkerung. Mehr als 1200 verloren auf den Schlachtfeldern und in Lazaretten ihr Leben, etwa 600 wurden verwundet. Erinnerungsorte an den Ersten Weltkrieg und seine Opfer finden sich in Innsbruck vor allem an Kirchen und Friedhöfen. Das Kaiserjägermuseum am Berg Isel zeigt Uniformen, Waffen und Bilder des Schlachtgeschehens. Den beiden Theologen Anton Müllner und Josef Seeber sind in Innsbruck Straßennamen gewidmet. Auch nach dem Oberbefehlshaber der k.u.k Armee an der Südfront, Erzherzog Eugen, wurde eine Straße benannt. Vor dem Hofgarten befindet sich ein Denkmal für den erfolglosen Feldherren. An die italienische Besatzung erinnert der östliche Teil des Amraser Militärfriedhofs.

Das Attentat seit Jahren geplant

Daß sich die großserbischen  Agitationsstellen schon seit Jahren mit dem Pläne einer Ermordung des Thronfolgers beschäftigten, beweist am besten eine Episode, die sich vor ungefähr anderthalb Jahren in Innsbruck zutrug und im vorigen Sommer ihr gerichtliches Nachspiel hatte. Die an der hiesigen medizinischen Fakultät inskribierten südslawischen-Studenten  versammelten sich damals regelmäßig in einem Lokale im Zentrum der Stadt. Einer von ihnen, der 20 jährige Mediziner  Stankovic aus Belgrad, bewarb sich um die Gunst der dort angestellten Kellnerin W. Um bei ihr Eindruck zu machen, erzählte er ihr in einem unbedachten Augenblicke, daß er bald sterben müsse, weil er berufen sei, nach Wien zu reisen und eine hohe  Persönlichkeit zu ermorden. Als das Mädchen ihn erschrocken fragte, ob
er den Kaiser töten wolle, verneinte dies Stankovic mit den Worten: Nein, den  Nächsten!" Gleichzeitig zeigte er dem  Mädchen einen scharf geladenen Browning, den er stets bei sich hatte. Die Behörde gelangte erst viele Wochen später Kenntnis von dem Vorfalle, verhaftete
nicht nur Stankovic, sondern auch noch zehn seiner Freunde. Die  Hausdurchsuchungen, die bei diesen, aus der Zahl der hier studierenden Serben beim Mangel jeglichen Anhaltspunktes nur
willkürlich herausgegriffenen jungen Leuten vorgenommen wurden, hatten kein Ergebnis, hingegen gelang es, beim Hauptbeschuldigten den scharf geladenen Browning, den dieser immer bei sich trug, zu finden. Bei der Einvernahme gab Stankovic an, nur im Scherze gesprochen zu haben, doch gab er unumwunden zu, mit der Fabrikation von Bomben vertraut und auch geübt im Werfen .zu sein, weil er schon im Gymnasium, (Stankovic stand im ersten Semester), diese Fertigkeiten erlernt habe. Der Prozeß Stankovic, der mit Rücksicht auf das spärliche Ergebnis der Untersuchung nur wegen Beleidigung eines Mitgliedes des kaiserlichen Hauses angeklagt worden war, endete mit einem
Freispruche, weil es der Verteidigung gelang, darzutun, daß die Kronzeugin den nur gebrochen deutsch sprechenden Studenten schlecht verstanden haben könnte. Die behördlichen-Organe blieben trotzdem bei der Ansicht, daß Stankovie doch kein so harmloser Mensch sei und verfügten seine Verweisung aus Oesterreich. Die ungarischen Behörden taten dasselbe. Heute zweifelt wohl kein Mensch daran, daß die dem jungen Studenten entschlüpften Worte ernst gemeint waren. Sie sind wohl ein untrüglicher Beweis, daß die Mordtat in Sarajewo nicht wenigen Fanatikern zur Last zu schreiben ist, sondern daß sie als ein Produkt angesehen werden muß, der jahrelangen bewußten und systematischen Verhetzung, die von Belgrad ausgehend, die gesamte südslawische Jugend vergiftet.

An meine Völker

Diese Verlautbarung Kaiser Franz Josef I. erschien am 29. Juli 1914, am Tag nach dem Kriegsbeginn in allen Zeitungen des Reiches. 

Es war Mein sehnlichster Wunsch, die Jahre, die Mir durch Gottes Gnade noch beschieden sind, Werken des Friedens zu weihen und Meine Völker vor den schweren Opfern und Lasten des Krieges zu bewahren.

Im Rate der Vorsehung ward es anders beschlossen.

Die Umtriebe eines haßerfüllten Gegners zwingen Mich, zur Wahrung der Ehre Meiner Monarchie, zum Schutze ihres Ansehens und ihrer Machtstellung, zur Sicherung ihres Besitzstandes nach langen Jahren des Friedens zum Schwerte zu greifen.

Mit rasch vergessendem Undank hat das Königreich Serbien, das von den ersten Anfängen seiner staatlichen Selbständigkeit bis in die neueste Zeit von Meinen Vorfahren und Mir gestützt und gefördert worden war, schon vor Jahren den Weg offener Feindseligkeit gegen Österreich-Ungarn betreten.

Als Ich nach drei Jahrzehnten segensvoller Friedensarbeit in Bosnien und der Hercegovina Meine Herrscherrechte auf diese Länder erstreckte, hat diese Meine Verfügung im Königreiche Serbien, dessen Rechte in keiner Weise verletzt wurden, Ausbrüche zügelloser Leidenschaft und erbittertsten Hasses hervorgerufen. Meine Regierung hat damals von dem schönen Vorrechte des Stärkeren Gebrauch gemacht und in äußerster Nachsicht und Milde von Serbien nur die Herabsetzung seines Heeres auf den Friedensstand und das Versprechen verlangt, in Hinkunft die Bahn des Friedens und der Freundschaft zu gehen.

Von demselben Geiste der Mäßigung geleitet, hat sich Meine Regierung, als Serbien vor zwei Jahren im Kampfe mit dem türkischen Reiche begriffen war, auf die Wahrung der wichtigsten Lebensbedingungen der Monarchie beschränkt. Dieser Haltung hatte Serbien in erster Linie die Erreichung des Kriegszweckes zu verdanken.

Die Hoffnung, daß das serbische Königreich die Langmut und Friedensliebe Meiner Regierung würdigen und sein Wort einlösen werde, hat sich nicht erfüllt.

Immer höher lodert der Haß gegen Mich und Mein Haus empor, immer unverhüllter tritt das Streben zutage, untrennbare Gebiete Österreich-Ungarns gewaltsam loszureißen.

Ein verbrecherisches Treiben greift über die Grenze, um im Südosten der Monarchie die Grundlagen staatlicher Ordnung zu untergraben, das Volk, dem Ich in landesväterlicher Liebe Meine volle Fürsorge zuwende, in seiner Treue zum Herrscherhaus und zum Vaterlande wankend zu machen, die heranwachsende Jugend irrezuleiten und zu frevelhaften Taten des Wahnwitzes und des Hochverrates aufzureizen. Eine Reihe von Mordanschlägen, eine planmäßig vorbereitete und durchgeführte Verschwörung, deren furchtbares Gelingen Mich und Meine Völker ins Herz getroffen hat, bildet die weithin sichtbare blutige Spur jener geheimen Machenschaften, die von Serbien aus ins Werk gesetzt und geleitet wurden.

Diesem unerträglichen Treiben muß Einhalt geboten, den unaufhörlichen Herausforderungen Serbiens ein Ende bereitet werden, soll die Ehre und Würde Meiner Monarchie unverletzt erhalten und ihre staatliche, wirtschaftliche und militärische Entwicklung vor beständigen Erschütterungen bewahrt bleiben.

Vergebens hat Meine Regierung noch einen letzten Versuch unternommen, dieses Ziel mit friedlichen Mitteln zu erreichen, Serbien durch eine ernste Mahnung zur Umkehr zu bewegen.

Serbien hat die maßvollen und gerechten Forderungen Meiner Regierung zurückgewiesen und es abgelehnt, jenen Pflichten nachzukommen, deren Erfüllung im Leben der Völker und Staaten die natürliche und notwendige Grundlage des Friedens bildet.

So muß Ich denn daran schreiten, mit Waffengewalt die unerläßlichen Bürgschaften zu schaffen, die Meinen Staaten die Ruhe im Inneren und den dauernden Frieden nach außen sichern sollen.

In dieser ernsten Stunde bin Ich Mir der ganzen Tragweite Meines Entschlusses und Meiner Verantwortung vor dem Allmächtigen voll bewußt.

Ich habe alles geprüft und erwogen.

Mit ruhigem Gewissen betrete Ich den Weg, den die Pflicht Mir weist.

Ich vertraue auf Meine Völker, die sich in allen Stürmen stets in Einigkeit und Treue um Meinen Thron geschart haben und für die Ehre, Größe und Macht des Vaterlandes zu schwersten Opfern immer bereit waren.

Ich vertraue auf Österreich-Ungarns tapfere und von hingebungsvoller Begeisterung erfüllte Wehrmacht.

Und Ich vertraue auf den Allmächtigen, daß Er Meinen Waffen den Sieg verleihen werde.

Franz Joseph m. p.

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