Weiherburg

Weiherburggasse 37-39

Nordkette Innsbruck

Nördlich der Stadt, erhaben oberhalb des Inns in Hötting, befindet sich ein altehrwürdiger, sehenswürdiger Ansitz. Der einige prominente Bewohner in seiner langen Geschichte vorzuweisen hat. Um 1460 ließ Christian Tänzel sie als seinen privaten Wohnsitz erbauen. Tänzel war ein Innsbrucker Bürger, der im Schwazer Bergbau sein Vermögen erworben hatte. Er war einer jener Zeitgenossen, die aus den Möglichkeiten, die diese Zeit des Umbruchs in Tirol bot, ausnutzen konnte. Das Silberbergwerk in Schwaz hatte das Land und die soziale Ordnung verändert wie vielleicht nichts zuvor. Es sollte die Eintrittskarte des Inntals in die Weltgeschichte sein. Tänzels neuer Wohnsitz sollte das repräsentieren, war nahe am Hof des Landesfürsten Siegmund und doch angenehm abseits der engen Stadt. Siegmund erwarb das Anwesen von ihm, um verdiente Mitglieder des Hofes wie seinen Leibarzt damit zu verwöhnen. Sein Nachfolger auf der Weiherburg Maximilian I., der dem Anwesen auch seinen Namen gab, nutzte die Weiherburg der Legende nach gerne als Jagdschloss, wenn er in Innsbruck weilte. 1560 kam die Weiherburg in den Besitz Anna Welsers. Sie stammte aus der reichen Augsburger Kaufmannsdynastie. Ihre Tochter Philippine war mit Ferdinand II. verheiratet. Die Weiherburg war näher an der Stadt als Schloss Ambras, was für den Regenten recht praktisch war, wenn er die damals beschwerliche Reise in den Süden nicht antreten wollte. Er legte mit einem kleinen 1591 eröffneten Tierpark den Grundstein für den heutigen Alpenzoo. Seit 1962 können Jedermann und Jedefrau den Alpenzoo besuchen. Im terrassenförmig angelegten Tierpark tummeln sich Bären, Luchse, Wölfe, Fischotter, Biber und viele andere Tiere des Alpenraums. Nach mehreren Besitzerwechseln kam das Gebäude an den Schützenmajor Philipp von Wörndle, der als Befehlshaber die Schlacht von Spinges gegen die Übermacht der französischen Armee im Tiroler Abwehrkampf 1796 gewonnen hatte. Die Jungfrau von Spinges, Katharina Lanz, die an der Seite der Truppen kämpfte, ist das Tiroler Äquivalent zu Johanna von Orleans. Wörndles Schwiegersohn ließ im 19. Jahrhundert die Burg umbauen und brachte sie in ihr jetziges Aussehen. 1911 kaufte die Stadt Innsbruck das gesamte Gelände. Heute finden in der Weiherburg wechselnde Ausstellungen des Alpenzoo Innsbruck statt.

1796 - 1866: Vom Herzen Jesu bis Königgrätz

Die Zeit zwischen der Französischen Revolution, den darauffolgenden Koalitionskriegen und der Schlacht bei Königgrätz von 1866 war für das Habsburgerreich eine kriegerische Periode, die mit der Neuordnung Europas und einem Bedeutungsverlust des Kaiserreichs Österreich endete. Nach der Französischen Revolution hatten die Monarchien Europas der Französischen Republik den Krieg erklärt. Die Angst ging um, dass sich der Wahlspruch der Revolution „Liberté, Égalité, Fraternité“ in Europa ausbreiten könnte und weitere Monarchen bei Aufständen ihren Kopf verlieren könnten. Ein junger General namens Napoleon Bonaparte, erst 1804 krönte er sich zum Kaiser, war mit seiner italienischen Armee im Rahmen der Koalitionskriege über die Alpen vorgerückt und traf dort auf die österreichischen Truppen, die Norditalien beherrschten. Es war nicht nur ein Krieg um Territorium und Macht, es war ein Kampf der Systeme. Die Truppen der revolutionären Republik Frankreich trafen auf die Habsburger. Tirol war damals nach Süden hin bis ins heutige Trentino ein geeintes Fürstentum und somit ein Teil der Frontlinie. Die regulären österreichischen Truppen verloren in den Jahren 1796 und 1797 mehrere Schlachten in Norditalien und mussten sich im Frieden von Campoformio den französischen Truppen ergeben. Tiroler Schützen waren dabei am Kampfgeschehen beteiligt, um die Landesgrenzen im heutigen Italien gegen die einrückenden Franzosen zu verteidigen. Die 1796 offiziell gegründete Höttinger Schützenkompanie war damals zum Beispiel Teil des Landsturms. Der Herz-Jesu-Kult, wonach Tiroler Schützen einen Bund mit dem Herzen Jesu in aussichtsloser Lage geschlossen hatten und trotz Unterzahl siegreich aus einer Schlacht hervorgingen, geht auf diese Jahre zurück. Neben der Gnadenmutter Cranachs ist die Darstellung des Herzen Jesu wohl das beliebteste christliche Motiv im ländlichen Raum und prangt auf der Fassade unzähliger Bauernhäuser. Eine andere Legende des Jahres 1796 rankt sich um eine junge Frau aus dem Dorf Spinges. Katharina Lanz, die als die Jungfrau von Spinges in die Landesgeschichte als identitätsstiftende Nationalheldin einging, soll die beinahe geschlagenen Truppen mit ihrem herrischen Auftreten in der Schlacht solcherart motiviert haben, dass sie schlussendlich den Sieg über die französische Übermacht davontragen konnten. Je nach Darstellung soll sie mit einer Mistgabel, einem Dreschflegel oder einer Sense ähnlich der französischen Jungfrau von Orleans den Truppen Napoleons das Fürchten gelehrt haben. Teile des Tiroler Selbstverständnisses rund um die Schützen und das Nationalgefühl, eine selbstständige und von Gott auserwählte Nation zu sein, die zufällig der Republik Österreich angehängt wurde, geht auf diese Legenden zurück. Nationalisten zu beiden Seiten des Brenners bedienen sich noch heute der Jungfrau von Spinges, dem Herzen Jesu und Andreas Hofers, um ihre Anliegen publikumstauglich anzubringen. 1805 übernahmen Frankreich und gemeinsam mit ihren bayerischen Verbündeten nach mehreren Niederlagen des österreichischen Heeres auf den Schlachtfeldern Europas die Verwaltung Tirols in Innsbruck. Zwar konnten die Tiroler Truppen unter Andreas Hofer (99) kleinere Erfolge feiern, erst nach Ende der Napoleonischen Kriege wurde Tirol wieder ein Teil des Habsburgerreiches. In und um Innsbruck kam es immer wieder zu Gefechten. Stadt und Bevölkerung wurden bei jedem Machtwechsel zwischen bayerisch-französischer Besatzung und Tiroler „Befreier“ in Mitleidenschaft gezogen. Das leerstehende Schloss Ambras wurde zu einem Lazarett umgewandelt.

Die Neuordnung Europas am Wiener Kongress brachte nicht nur territoriale und politische, sondern auch verteidigungspolitische Änderungen. 1816 wurde aus dem Tiroler Jägerkorps das k.k. Tiroler Kaiserjägerregiment. In den Kriegsjahren 1848, 1859 und 1866 kam es in Italien zu den sogenannten Befreiungs- und Einigungskriegen, in denen Österreich probierte seine italienischen Reichsteile Lombardei und Venetien gegen das sich neu formende Königreich Italien zu verteidigen. In ganz Europa, so war es im Laufe des 19. Jahrhunderts, spätestens seit 1848, besonders unter jungen Männern zu einem regelrechten nationalen Rausch gekommen. Freiwilligenheere schossen aus allen Richtungen aus dem Boden. Studenten, die sich in den Verbindungen zusammentaten, Turner, Schützen, alle wollten ihre neue Liebe zur Nation auf dem Schlachtfeld unter Beweis stellen. Innsbrucker und Tiroler Einheiten wie eine Abteilung der Innsbrucker Akademiker oder die Stubaier Schützen zählten zu den Kombattanten in den italienischen Einigungskriegen. Die "Innsbrucker Zeitung" predigte in ihren Artikeln Kaisertreue und großdeutsch-tirolischen Nationalismus, wetterte gegen das Italienertum und Franzosen und pries den Mut Tiroler Soldaten. "Die starke Besetzung der Höhen am Ausgange des Valsugana bei Primolano und le Tezze gab schon oft den Innsbrucker-Akademikern I. und den Stubaiern Anlaß, freiwillige Ercur:sionen gegen le Tezze, Fonzago und Fastro, als auch auf das rechte Brenta-Ufer und den Höhen gegen die kleinen Lager von den Sette comuni zu machen...Am 19. schon haben die Stubaier einige Feinde niedergestreckt, als sie sich das erste mal hinunterwagten, indem sie sich ihnen entgegenschlichen..."

Innsbruck war als Garnisonsstadt ein wichtiger Versorgungsposten, obwohl die Front recht weit entfernt war. Das Tiroler Kaiserjägerregiment war in allen wichtigen Schlachten dieser Kriegsjahre beteiligt. In diesem Klima des deutschnationalen Patriotismus kamen antiitalienische Resentiments und Stereotype, die sich bis heute teilweise halten, immer öfter zur Oberfläche. Vor allem Studenten aus den italienischsprachigen Teilen Tirols, die in Innsbruck die Universität besuchten, waren davon betroffen. Zur wohl bekanntesten, der Schlacht von Solferino, kam es 1859 in der Nähe des Gardasees, bei der Österreich gegen das Königreich Piemont-Sardinien und Frankreich ins Feld zog. Der Schriftsteller Joseph Roth beschreibt diese Schlacht auf den ersten Seiten seines lesenswerten Klassikers Radetzkymarsch.

„In der Schlacht bei Solferino befehligte er (Anm.: Leutnant Trotta) als Leutnant der Infanterie einen Zug. Seit einer halben Stunde war das Gefecht im Gange. Drei Schritte vor sich sah er die weißen Rücken seiner Soldaten. Die erste Reihe seines Zuges kniete, die zweite stand. Heiter waren alle und sicher des Sieges. Sie hatten ausgiebig gegessen und Branntwein getrunken, auf Kosten und zu Ehren des Kaisers, der seit gestern im Felde war. Hier und dort fiel einer aus der Reihe. Trotta sprang flugs in jede Lücke und schoß aus den verwaisten Gewehren der Toten und Verwundeten.“

Das 19. Jahrhundert war das Zeitalter des Militarismus. Die Kriege wurden sehr brutal geführt, waren aber bei weitem noch nicht die totalen Kriege, die im 20. Jahrhundert auch große Teile der Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft ziehen würden. Es waren meist Feldschlachten zwischen großen Armeen. Was zu Problemen und hohen Opferzahlen führte, war die für die fortgeschrittene Waffentechnik eigentlich überholte Soldatenehre im Feld, die sich zumindest in den Anfangsjahren des Ersten Weltkriegs noch halten sollten. Entsetzt vom blutigen Geschehen entschloss sich Henry Durant das Rote Kreuz zu gründen. In weiterer Folge kam es 1863 zur Genfer Konvention, in der eine Art Kriegsrecht begründet wurde.

Das Jahr 1866 stellte eine entscheidende Zäsur der österreichischen Geschichte dar. In Italien verlor das Kaiserreich Österreich Venetien und die Lombardei. Preußen und Österreich, ehemals vereint im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation kämpften gleichzeitig um die Vorherrschaft im Deutschen Bund, aus dem das Deutsche Reich unter preußischer Führung als neuer Nationalstaat später hervorging. Preußen wollte das Kaisertum Österreich aus dem Bund deutscher Einzelstaaten zu drängen. Zwar gewann man die Schlachten gegen das Königreich Italien und seine Verbündeten, in Königgrätz ging aber der kurze als Bruderkrieg später in die Geschichte eingegangene Kampf gegen Preußen verloren. Der Grund war die technische Überlegenheit der mit Zündnadelgewehren ausgestatteten preußischen Armee, die auf die mit Vorderladern bewaffneten Soldaten Österreichs trafen. Während die österreichischen Soldaten ihre Gewehre vorne im Stehen laden mussten, konnten die preußischen Soldaten sie aus der Deckung wie Pappfiguren abschießen. Der Kampf dauerte nur wenige Stunden, forderte aber vor allem auf österreichischer Seite viele Todesopfer. Das Königreich Italien war in den Einigungskriegen zwischen 1848 und 1871 der Einheit mit Ausnahme des päpstlichen Rom und des Trentino, dem alten Süd- oder Welschtirol, nähergekommen. Nach dem Zerfall des Heiligen Römischen Reiches von 1806 war das Jahr 1866 dies der zweite Schritt, der Österreich einem nach Ost- und Südosteuropa orientierten multinationalen Großreich näherbrachte. Der Ausgleich mit Ungarn 1867 vollendete die Genese hin zur k.u.k. Monarchie Österreich-Ungarn unter der Personalunion Kaiser Franz Josef I.

Innsbrucker Soldaten waren in die Kampfhandlungen bei der Sicherung der Landesgrenzen und auf den Schlachtfeldern außerhalb Tirols beteiligt. Innsbruck besitzt einige Erinnerungsorte, die noch auf diese Kriege hinweisen. Sie befinden sich nicht in der Innenstadt, sondern an den Randgebieten. Neben dem Tummelplatz und dem Militärfriedhof Pradl wird am Berg Isel im Kaiserjägermuseum und durch eine etwas hinter dem Parkplatz abgelegene Steinsäule erinnert. Es handelt sich mit Ausnahme eines Museums nicht um eigens errichtete Denkmäler, sondern um Begräbnisstätten. Königgrätz gilt bis heute als einer der Schlüsselmomente österreichischer Geschichte. Für Innsbruck bedeutete diese Entwicklung, dass man endgültig zu einer Stadt an der westlichen Peripherie geworden war. Der Hang zur sogenannten Großdeutschen Lösung, also einer Staatlichkeit mit dem Deutschen Reich gemeinsam anstatt dem alleinstehenden Kaisertum Österreich, war in Tirol stärker ausgeprägt als im restlichen Österreich. Unter anderem war Bürgermeister Wilhelm Greil ein Verfechter einer deutschnationalen Lösung, die sich mehr nach Norden als in die östlichen Teile der Monarchie orientierte. Auf vielen Bauwerken in Innsbruck, zum Beispiel am Andreas-Hofer-Denkmal am Berg Isel oder an der Krypta am Pradler Friedhof findet sich der Eichelkranz als Symbol dieser politischen Orientierung.

Philippine Welser: Klein Venedig, Kochbücher und Kräuterkunde

Die bürgerliche Philippine Welser war die Ehefrau Erzherzog Ferdinands II. (89). Hochzeiten zwischen Bürgerlichen und Adligen galten damals als skandalös und nicht standesgemäß, auch wenn die Welsers alles andere als arm waren. Sie zählten zu den wohlhabendsten Familien ihrer Epoche. Ihr Onkel Bartholomäus Welser war ähnlich reich wie Jakob Fugger. Auch er hatte Kredite an die Habsburger vergeben. Anstatt die Kredite abzuzahlen, verpfändete Kaiser Karl V. einen Teil der neu annektierten Ländereien der spanischen Krone Habsburgs an die Welser, die dafür das Land als Kolonie Klein-Venedig mit Festungen und Siedlungen sichern und erschließen mussten. Sie statteten sogar Expeditionen aus, um das legendäre Goldland El Dorado zu entdecken. Um möglichst viel aus ihrem Lehen herauszuholen, errichteten sie Handelsstützpunkte, um am gewinnträchtigen transatlantischen Sklavenhandel zwischen Europa, Westafrika und Amerika teilzunehmen. Sie taten dies in äußerst brutaler Manier, die zu Beschwerden beim Kaiser führten, der ihnen das Lehen daraufhin entzog.

Philippine galt als überaus schön. Ihre Haut sei laut Zeitzeugen so zart gewesen, „man hätte einen Schluck Rotwein durch ihre Kehle fließen sehen können“. Kennengelernt sollen sich die Augsburgerin und der Habsburger auf einem Faschingsball in Pilsen. Ferdinand verliebte sich Hals über Kopf in Philippine und heiratete sie. Besonders erfreut war im Hause Habsburg niemand über die in aller Heimlichkeit geschlossene Ehe der beiden, auch wenn man das Geld der Welser gut gebrauchen konnte. Die Kinder wurden deshalb von der Erbfolge ausgeschlossen. Philippine Welsers Leidenschaft war das Kochen. In der Österreichischen Nationalbibliothek ist noch heute eine Rezeptsammlung vorhanden. Unter anderem kann man dort das Rezept einer Nusstorte nachschlagen. Die Kochkunst wurde im Mittelalter und der Frühen Neuzeit ausschließlich von Wohlhabenden und Adeligen gepflegt, während die meisten Untertanen essen mussten, was verfügbar war. Mittelalter und Neuzeit, eigentlich alle Menschen bis in die 1950er Jahre, lebten unter dauerhaftem Kalorienmangel. Während wir heute zu viel essen und deshalb krank werden, litten unsere Vorfahren unter Krankheiten, die auf Mangelernährung zurückzuführen war. Gewürze wie der exotische Pfeffer waren Luxusgüter, die sich das normale Volk nicht leisten konnten. Während der Speiseplan des Normalbürgers eine eintönige und triste Angelegenheit war, bei der es vor allem darum ging, sich die Kalorien für die tägliche Arbeit so effizient als möglich zu holen, begann sich unter Ferdinand II. und Philippine Welser die Einstellung zu Essen und Trinken zu verändern. Der Hofstaat hatte seit Friedrich IV. zu einer gewissen Kultivierung der Manieren und Sitten beigetragen, Philippine Welser und ihr Mann trieben diese Entwicklung auf Schloss Ambras und der Weiherburg weiter voran.

Die Kräuterkunde war ihr zweites Steckenpferd. Philippine Welser beschrieb, wie man Pflanzen und Kräuter zur Linderung körperlicher Leiden aller Art verwendet Auf Schloss Ambras in Innsbruck ließ sie einen Kräutergarten anlegen, um ihr Hobby und die Studien voranzutreiben. In der Tiroler Bevölkerung galt sie laut Berichten der Zeit als sehr beliebt, kümmerte sie sich doch scheinbar sehr um die Armen und Bedürftigen. Die vom Stadtrat angeleitete Fürsorge der Bedürftigen gesponsort von wohlhabenden Bürgern und Adeligen war damals allerdings keine Besonderheit, sondern gängige Praxis. Näher an das Seelenheil im nächsten Leben als durch christliche Nächstenliebe, Caritas, konnte man nicht kommen. Ihre letzte Ruhe fand Philippine Welser nach ihrem Tod 1580 in der Silbernen Kapelle in der Innsbrucker Hofkirche. Gemeinsam mit ihren als Säugling verstorbenen Kindern und Ferdinand wurde sie dort begraben. Unterhalb des Schloss Ambras erinnert die Philippine-Welser-Straße an sie.

 

Ferdinand II.: Renaissance, Glanz und Glamour

Erzherzog Ferdinand II. von Österreich (1529 – 1595) zählt zu den schillerndsten Figuren der Tiroler Landesgeschichte. Er wuchs am spanischen Hof seines Onkels, Kaiser Karl V., auf, um als Kosmopolit für zukünftige für die Habsburger Regierungsgeschäfte fit zu sein. Das Haus Habsburg herrschte im 16. Jahrhundert dank der klugen und glücklich verlaufenen Heiratspolitik Maximilians über das Spanische Reich ebenso wie die österreichischen Erblande. Da Spanien im neu von Europa entdeckten Amerika Kolonien betrieb, galt das Imperium Habsburg als Reich, in dem die Sonne nie untergeht. Tirol zählte zu den wichtigsten Ländern des Habsburgerreiches. Einen Teil seiner Jugend verbrachte er am Hof in Innsbruck, auch der war aber spanisch geprägt zu dieser Zeit. Sein Vater Kaiser Ferdinand I. ließ seinem Sohn eine ausgezeichnete Ausbildung angedeihen, die sich später in seinem kunstsinnigen Wesen äußern sollte. In jungen Jahren war er durch Italien und Burgund gereist, und hatte an den wohlhabenden Höfen dort einen Lebensstil kennengelernt, der sich unter der deutschen Aristokratie noch nicht durchgesetzt hatte. Ferdinand hatte Tirol als Landesfürst in turbulenten Zeiten übernommen. Die Bergwerke in Schwaz begannen wegen des billigen Silbers aus Amerika unrentabel zu werden. Die Silberschwemme aus der Neuen Welt führte zu einer Inflation. Die Lebenskosten stiegen vor allem für die ärmeren Bevölkerungsschichten. Gleichzeitig hatten die Habsburger Landesherren Schulden bei den Fuggern, quasi ein Erbe Maximilians. Die kirchliche Reformation (86) erzeugte soziale Turbulenzen. Menschenbild und das Verhältnis zu Obrigkeit und Gott veränderten sich. Machiavelli schrieb sein Werk „Il Principe“, in dem davon die Rede war, dass Fürsten, so sie denn unfähig waren, auch abgesetzt werden könnten. Ferdinand II. probierte diesem frühen, modernen, absolutistischen Führungsstil gerecht zu werden und erließ mit einer neuen Tiroler Landesordnung ein juristisches Regelwerk. Die italienischen Städte waren stilbildend in Politik, Wirtschaft und Ästhetik. Künstler und Denker wie Leonardo da Vinci und Michelangelo prägten die Zeit. Der Tiroler Hof des charmanten, intelligenten und kunstsinnigen Ferdinand sollte diesen Städten in nichts nachstehen. Seine Maskenbälle und Umzüge waren legendär. Bei weniger exzentrischen Zeitgenossen genoss Ferdinand den Ruf eines unmoralischen und genusssüchtigen Wüstlings und stand wohl nicht ganz zu Unrecht unter dem Verdacht, ausschweifende und unsittliche Orgien zu veranstalten. Zwar verschlang auch sein Hofstaat Unsummen, zumindest konnte er die Innsbrucker Wirtschaft darüber wieder etwas ankurbeln. Die Steuerlast auf die bäuerliche und bürgerliche Bevölkerung stieg dadurch noch weiter. Ferdinand ließ mit diesem Geld Innsbruck im Geist der Renaissance umgestalten. Ganz im Trend der Zeit ahmte er die italienischen Adelshöfe wie Florenz, Mantua, Ferrara oder Mailand nach. Hofarchitekt Giovanni Lucchese stand ihm dabei zur Seite. Vorbei sollten die Zeiten sein, in denen Deutsche in den schöneren Städten südlich der Alpen als unzivilisiert, barbarisch oder gar als Schweine bezeichnet wurden. Unter Ferdinand kehrte ein neuer Stil in Innsbruck ein, teuer, aber glanzvoll. Westlich der Stadt erinnert ein Torbogen noch an den Tiergarten, ein Jagdrevier Ferdinands samt Lusthaus entworfen von Lucchese. Das Lusthaus wurde 1786 durch den heute als Pulverturm bekannten Bau ersetzt, der einen Teil der sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck beheimatet. Man könnte sagen, dem fürstlichen Sport des Jagens folgte im ehemaligen Lusthaus, das der Pulverturm war, die Sportuniversität nach. Das fürstliche Comedihaus am heutigen Rennweg entstand ebenfalls unter der baulichen Leitung Luccheses.

Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte Ferdinand auf Schloss Ambras bei Innsbruck, wo er sich eine der kostbarsten Sammlungen von Kunstwerken und Rüstungen anlegte, die noch heute zu den wertvollsten der Welt ihrer Art zu zählen ist. Gemeinsam mit der Kunstsammlung des französischen Königs Franz I., aus denen das Louvre hervorgehen sollte, den päpstlichen Sammlungen und den öffentlich in Florenz auf der Piazza della Signoria ausgestellten Kunstwerken, die man heute teilweise in den Uffizien bewundern kann, zählte die Kunstsammlung Ferdinands zu den ersten Ausstellungen, die man als Museum bezeichnen kann. Ferdinand kann getrost als Gründer wissenschaftlicher und künstlerischer Sammlungen bezeichnet werden. In späteren Zeiten sollten bürgerliche Schichten diese Tradition in Vereinen und Museen wie dem Ferdinandeum in Innsbruck weiterführen. Die Jesuiten, kurz vor Ferdinands Amtsantritt in Innsbruck eingetroffen, um lästigen Reformatoren und Kirchenkritikern das Leben schwer zu machen und die kirchliche Präsenz verstärken, erhielten in der Silbergasse eine neue Kirche. Es mag heute als Widerspruch scheinen, dass der genusssüchtige Landesfürst Ferdinand als Katholik und Gegenreformator die Kirche verteidigte, in der Zeit des Humanismus war es das nicht. Mit seinen Maßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung war er ebenfalls auf der Linie der Jesuiten. Natürlich, die kirchliche Ordnung vermochte die Untertanen zu disziplinieren, die Habsburger waren aber bis zum Ende der Dynastie fast durchgehend wahrhaft fromme Zeitgenossen.

In erster "halbwilder Ehe" war Ferdinand mit der Bürgerlichen Philippine Welser verheiratet. Ein Skandal für die damalige Zeit. Für seine über alles geliebte Frau ließ Ferdinand Schloss Ambras in die heutige Form bringen. Sein Bruder Maximilian meinte gar, dass "Ferdinand verzaubert sai" von der schönen Philippine Welser, als Ferdinand während des Türkenkriegs seine Truppen abzog, um nach Hause zu seiner Frau zu gehen. Erben konnte sie ihm allerdings keinen schenken. Die Kinder, die sie gemeinsam zeugten, konnten ob der strengen Gesellschaftsordnung des 16. Jahrhunderts allesamt nicht anerkannt werden. Nachdem Philippine Welser verstorben war, heiratete Ferdinand mit 53 Jahren die tiefgläubige Anna Caterina Gonzaga, eine erst 16jährige Prinzessin von Mantua. Große Zuneigung haben die beiden allem Anschein nach aber nicht zueinander empfunden, zumal Anna Caterina eine Nichte Ferdinands war. Die Habsburger waren beim Thema Hochzeit unter Verwandten weniger zimperlich als bei der Ehe eines Adeligen mit einer Bürgerlichen. Auch mit ihr konnte er allerdings "nur" drei Töchter zeugen. Ob der Geschichten um Ferdinands legendären Feste auf Schloss Ambras verwundert es kaum, dass er sich nicht bei seiner zweiten Ehefrau Anna Caterina Gonzaga im Servitenkloster, sondern mit der im Volk sehr beliebten ersten Ehefrau in der silbernen Kapelle an der Innsbrucker Hofburg beerdigen ließ.

Maximilian I. und seine Zeit

Maximilian zählt zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der europäischen und der Innsbrucker Stadtgeschichte. Über Tirol soll der passionierte Jäger gesagt haben: "Tirol ist ein grober Bauernkittel, der aber gut wärmt." Er machte Innsbruck in seiner Regierungszeit zu einem der wichtigsten Zentren des Heiligen Römischen Reichs. „Wer immer sich im Leben kein Gedächtnis macht, der hat nach seinem Tod kein Gedächtnis und derselbe Mensch wird mit dem Glockenton vergessen.“ Dieser Angst wirkte Maximilian höchst erfolgreich aktiv entgegen. Unter ihm spielten Propaganda, Bild und Medien eine immer stärkere Rolle, bedingt auch durch den aufkeimenden Buchdruck. Maximilian nutzte Kunst und Kultur, um sich präsent zu halten. So hielt er sich eine Reichskantorei, eine Musikkapelle, die vor allem bei öffentlichen Auftritten und Empfängen internationaler Gesandter zum Einsatz kam. Das Goldene Dachl, die Hofburg, die Hofkirche und das Innsbrucker Zeughaus wurden von ihm maßgeblich initiiert, ebenso die Befestigung der Straßen und Gassen der Altstadt durch Pflasterung. Er ließ den Handelsweg im heutigen Mariahilf verlegen und verbesserte die Wasserversorgung der Stadt. 1499 veranlasste Maximilian die Salvatorikapelle, ein Spital für die notleidenden Innsbrucker, die keinen Anspruch auf einen Platz im Stadtspital der Bruderschaft hatten umzubauen. Durch den kaiserlichen Hof, der immer wieder in Innsbruck ansässig war, bildete sich auch eine rege Bautätigkeit von außen. Gesandte und Politiker fremder Mächte sowie Adelige ließen sich ihren Wohnsitz in Innsbruck bauen oder übernachteten in den Wirtshäusern der Stadt. Kulturell war es vor allem seine zweite Ehefrau Bianca Maria Sforza, die Innsbruck förderte. Nicht nur die Hochzeit fand hier statt, sie residierte auch lange Zeit hier, war die Stadt doch näher an ihrer Heimat Mailand als die anderen Residenzen Maximilians. Sie brachte ihren gesamten Hofstaat aus der Renaissancemetropole mit in die deutschen Länder nördlich der Alpen. Innsbruck wurde unter Maximilian aber nicht nur auf künstlerischer Ebene zu einem Zentrum des Reiches, auch wirtschaftlich brummte die Stadt. Unter anderem war Innsbruck Zentrale des Postdienstes im Kaiserreich. Die Familie Thurn und Taxis (84) erhielt das Monopol auf diesen wichtigen Dienst und wählte Innsbruck als Zentrale ihrer privaten Reichspost. Die Fugger (85) unterhielten eine Kontorei in Innsbruck. Diplomaten aus ganz Europa und dem osmanischen Reich waren zu Gast in der Stadt. Neben seiner ihm gerne unterstellten Liebe für die Tiroler Natur waren ihm die Kostbarkeiten wie das Haller Salz und das Schwazer Silber mindestens ebenso teuer und nützlich. Seinen aufwändigen Hofstaat, die Wahl zum König durch die Kurfürsten und die vielen Kriege finanzierte sich Maximilian unter anderem durch Verpfändung der Bodenschätze des Landes an die reiche Kaufmannsfamilie Fugger aus Augsburg. Durch eine beginnende Zentralisierung seiner Hausmacht und eine effizientere Verwaltung nahm Maximilian eine gedachte Einheit Österreichs vorweg.  Beginnend mit ihm war die Kaiserkrone des Heiligen Römische Reichs, auch dank der finanziellen Kraft Tirols, fest in Habsburger Hand. Zu verdanken war diese Entwicklung einer geschickten Außenpolitik mit Krieg und Heirat. 1486 wurde Maximilian zum Kaiser gewählt, 1493 wurde gekrönt. Im 15. Jahrhundert allerdings war es schwer durch das politisch zerstückelte Italien nach Rom zu reisen. Die Habsburger standen zu dieser Zeit mit Venedig und Mailand auf Kriegsfuß. Die Serenissima Republica di San Marco verweigerte Maximilian den Durchzug. 1508 ließ er sich pragmatisch in Trient zum erwählten römischen Kaiser krönen, jedoch nicht salben. Das machte seinen Vater Friedrich III. zum letzten in Rom gesalbten Kaiser des Heiligen Römischen Reichs. Der Krieg mit Venedig endete zwar nicht mit einem Sieg Maximilians, Tirol wurden aber die eigentlich italienischen Gebiete des Trentino endgültig zugeschlagen. Die Südgrenze des Landes Tirol bei Riva sollte bis 1918 Bestand haben.

Häufig wird Maximilian auch als letzter Ritter und erster Kanonier bezeichnet. Er lebte in einer Zeit des Übergangs zwischen feudaler Armee unter der Führung der einzelnen Landesfürsten, die dem Kaiser unterstanden, und Söldnerheeren, die vom Landesherrn selbst bezahlt und unterhalten werden mussten. Die Rechnung der Finanzierung dieser Heere wurde unter anderem auch mit Tiroler Reichtum aus Salinen und Bergwerken bezahlt. In der Waffenherstellung konnte Maximilian auf das Fachwissen der Büchsenmeister aufbauen, die sich bereits unter seinem Vorgänger Siegmund in den Gießereien in Hötting etabliert hatten. Der berühmteste von ihnen war Peter „Löffler“ Laiminger. Die Geschichte der Löfflers ist im Roman Der Meister des siebten Siegels ausgezeichnet verarbeitet. Er erkannte aber auch, dass man Macht nicht nur am Schlachtfeld erringen kann. "Bella gerant alii, sed tu felix Austria nube! (Mögen andere Krieg führen, du glückliches Österreich, heirate!)" Hochzeiten waren seit jeher ein beliebtes Mittel zum Machterwerb, Maximilian aber perfektionierte diese Methode des Gambelns um Einfluss und Ländereien. Durch die Hochzeit mit seiner ersten Ehefrau Maria von Burgund konnte er große Gebietsgewinne verzeichnen. Das von Siegmund dem Münzreichen an Karl von Burgund verpfändete Vorderösterreich mit Elsass und Breisgau fielen ebenso an ihn wie das wohlhabende Burgund. Er stellte die Hochzeit mit Maria gerne als Liebeshochzeit dar. Ob das der Wahrheit entspricht, man möchte es dem jungen Mann wünschen, oder es eine Zweckhochzeit war wie die Ehen dieser Zeit in der Hocharistokratie für gewöhnlich waren, ist nicht ganz geklärt. Maria von Burgund allerdings war die Begründerin seiner Dynastie und es ließ sie wohl auch deshalb als besonders hübsch und geliebt am Goldenen Dachl darstellen. Durch die Hochzeit mit Maria von Burgund kamen aus den modernen Handelsstädten Brügge Modernisierung der Verwaltung und eine neue Art und Weise den Staat zu denken. Burgund war zu dieser Zeit am Weg zum modernen Flächenstaat in der Nähe zu Frankreich und zählte zu den wohlhabendsten Regionen Europas. Nachdem Maria bei einem Reitunfall tödlich verunglückte, heiratete er in zweiter Ehe Bianca Maria Sforza von Mailand, um den Machtbereich nach Süden zu stabilisieren. Auch seine Nachkommen waren vor dem Hochzeitsmanager Maximilian nicht sicher. Maximilian begründet die spanische Linie der Habsburger, die sich 200 Jahre lang halten konnte. Sein Sohn Philipp "der Schöne" wurde mit Johanna "der Wahnsinnigen" von Kastilien verheiratet. Sogar seine Enkel wurden im Spiel um Macht eingesetzt. Die Kinder von Philipp, Maria und Ferdinand, wurden von Maximilian schon im Kindesalter mit den Kindern des Königs von Ungarn und dem König von Polen in der Doppelhochzeit von Wien verheiratet. Als der König von Ungarn in der Schlacht von Mohacs fiel, ging auch die Krone Ungarns, Böhmens und Kroatiens an die Habsburger. Sein Enkel Karl V. regierte als Regent von Spanien und als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches über ein Riesenreich.

Bei den Tiroler Bauern war Maximilian nicht besonders beliebt. Viele Tiroler mussten auf den Schlachtfeldern des Kaisers den kaiserlichen Willen durchsetzen. Die Kriege gegen die Schweizer Eidgenossen im Westen und die Republik Venedig im Süden verlangten den wehrfähigen Männern oft mehr als nur die Landesverteidigung ab. Zudem beschnitt Maximilian die bäuerlichen Rechte der Allmende. Holzschlag, Jagd und Fischerei wurden dem Landesherrn unterstellt und waren kein Allgemeingut mehr. Das hatte negative Auswirkungen auf die bäuerliche Selbstversorgung. Fleisch und Fisch, im Mittelalter für lange Zeit ein Teil des Speiseplans gewesen. Mit den Beschränkungen und den neuen Gesetzen wurden der Verzehr gewöhnter Nahrungsmittel wie eben Wild seltener. Es war um 1500, dass aus Jägern Wilderer wurden. Mit den Tiroler Bischöfen von Brixen und Trient, den größten Grundherren Tirols, musste er eine Einigung erzielen über die Superiorität im Land. Über den geschickten politischen Zug des Tiroler Landlibells von 1511 konnte sich Maximilian die Zuneigung und Treue der Untertanen erkaufen. Maximilian gestand den Tirolern in einer Art Verfassung zu, dass sie als Soldaten nur für den Krieg zur Verteidigung des eigenen Landes herangezogen werden dürfen. So konnte er den Einfluss der Bischöfe im Land beschneiden und sie wehr- und steuerpflichtig in seinen Machtbereich einbinden

Maximilian zu fassen, ist für Tiroler schwierig. Er soll regelrecht verliebt in sein Land Tirol gewesen sein. Liebesbekundungen eines Kaisers schmeicheln natürlich der Volksseele bis heute. Die allgemeine Darstellung ist durchaus verklärt positiv. Seine Hinterlassenschaft in der Stadt Innsbruck lassen oberflächlich betrachtet auch kein anderes Bild zu. Bis zu einem gewissen Grad ist das auch korrekt. Er machte Innsbruck zu einer Residenzstadt und trieb die Modernisierung der Infrastruktur voran. Während er das Heilige Römische Reich intern befriedete, führte er in der Außenpolitik insgesamt 27 Kriege. Innsbruck wurde zum Zentrum der Rüstungsindustrie und wuchs in Bedeutung und räumlicher Ausdehnung. Die Schulden, die er dafür aufnahm und das Landesvermögen, das er an die Fugger verpfändete, prägten Tirol nach seinem Tod mindestens ebenso wie die strengen Gesetze, die er der einfachen Bevölkerung verordnete. Sein Sohn Ferdinand I. erbte die schwere Last seines Vaters. 1525 kam es in Tirol unter Michael Gaismair wie in vielen anderen Deutschen Ländern dieser Zeit zu Bauernaufständen. Maximilian mag für sie verantwortlich gewesen sein, erlebt hat er sie nicht mehr. In der heutigen Volksseele sind die harten Zeiten auch nicht mehr so präsent wie das Goldene Dachl und die in der Schule gelernten weichen Fakten und Legenden rund um den einflussreichen Kaiser. 2019 überschlug man sich mit den Feierlichkeiten zum 500. Todestag des für Innsbruck wohl wichtigsten Habsburgers. Der Wiener wurde wohlwollend eingebürgert. Salzburg hat Mozart, Innsbruck Maximilian, einen Kaiser, den Tiroler, ob seiner damals nicht ungewöhnlichen Leidenschaft für die Jagd passend zur gewünschten Identität Innsbrucks als rauen Gesellen, der am liebsten in den Bergen ist, angepasst haben. Sein markantes Gesicht prangt heute auf allerhand Konsumartikeln, vom Käse bis zum Skilift steht der Kaiser für allerhand Profanes Pate. Lediglich für politische Agenden lässt er sich weniger gut vor den Karren spannen als Andreas Hofer. Wahrscheinlich ist es für den Durchschnittsbürger einfacher, sich mit einem revolutionären Wirt zu identifizieren als mit einem Kaiser.